Was Inklusion für mich bedeutet – Nils Dreyer aus dem Inklupreneur Team

In unserer Serie „Was Inklusion für mich bedeutet“ betrachten wir das Thema Inklusion aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Du willst auch deine Perspektive schildern? Dann melde dich bei Marlene: marlene[at]inklupreneur.de

Heute berichtet unser Projektleiter Nils Dreyer.

„Inklusion war nicht immer aktiver Bestandteil meines Lebens. Sie ist es immer mehr geworden – oder habe entschieden, sie dazu zu machen?

Gehörlose Familienmitglieder


In meinen Umfeld gibt es eine Großtante und einen Großonkel, die gehörlos sind. Sie leben in Hamburg – zu besonderen Anlässen wie Familienfeiern sieht man sich. Zwei sehr herzliche Menschen, zu denen ich aber nie eine sehr enge Beziehung aufgebaut habe. Ihre Art mit der Gebärdensprache zu kommunizieren faszinierte mich als Kind, genauso wie heute. Wir kommunizierten meist per Fax. Im Familienkreis sind wir wahrscheinlich inklusiv – ich habe nie darüber nachgedacht. Wahrscheinlich ist genau das ein Merkmal für erfolgreiche Inklusion – wenn man nicht drüber nachdenken muss.

Zivildienst in einer Integrationsgruppe im Kindergarten

Meinen Zivildienst habe ich in einem katholischen Kindergarten gemacht. Ich habe in der Integrationsgruppe gearbeitet. Eigentlich war die Idee, dass ich die Erzieherinnen bei der Betreuung eines Kindes entlaste. Tatsächlich haben aber die Kinder entschieden, dass ich als einziger männlicher Mitarbeiter zum Bezugspunkt werde. Auch wenn dieser Plan also nicht aufging, die Idee der Inklusionsgruppe tat es. Anders zu sein, war normal.

Die erste Unternehmensgründung – aus Versehen inklusiv?


Zehn Jahre später gründete ich mit zwei Freunden ein Startup. Wir wollten Freelancer projektweise an Unternehmen vermitteln, später entwickelte sich daraus eine Content-Marketing-Agentur. Wir suchten einen Software-Entwickler. Unser Gründerberater empfahl uns über das Arbeitsamt zu gehen. Das taten wir. Es kamen wenige Bewerbungen rein, aber eine stich heraus – die von Gert. Seine Kompetenzen und Erfahrung waren herausragend – aber warum hatte dieser Mensch immer nur zwei Jahre in jedem Job gearbeitet? Ein Gespräch ergab Klärung – zwei Jahre dauerte das damals gängige Förderprogramm, welches speziell auf die Vermittlung von Menschen mit Behinderung abzielte. Wir entschieden uns für Gert – und für das Förderprogramm. Nicht weil wir „dem Menschen eine Chance“ geben wollten, sondern weil es – Entschuldigung, ich finde kein besseres Wort – das beste Gesamtpaket war mit dem kompetentesten Bewerber.

Inklusion – Bestandteil der Unternehmenskultur von Beginn an


Der erste fest angestellter, sozialversicherungspflichtige Mitarbeitende unseres Startups war somit ein Mensch mit Behinderung. Wir stellten uns auf Gerts Bedürfnisse ein: primäre Arbeit im Home-Office, ergonomische Möbel, Hilfsmittel etc. und wurden belohnt – mit tollen Leistungen bzw. Lösungen. In den kommenden Jahren entwickelte sich unser Geschäftsmodell weiter – das Unternehmen  wuchs, und weil unser erster Angestellter nun mal schon da war und so war wie er war, war das halt für alle anderen, die später kamen, normal. Ein wenig wie in der Integrationsgruppe im Kindergarten. Inklusion war Bestandteil unserer Unternehmenskultur – nicht weil wir es so geplant hatten, sondern weil wir es so praktizierten.  Mehr als zehn Jahr später – ich habe meine Agenturanteile verkauft – ist Gert noch immer an Bord. 

Inklusion bedeutet: Nicht lange nachdenken, einfach anfangen!


Ich bin inzwischen Geschäftsführer der Hilfswerft und entwickle Formate und Programme, um Gründer:innen und Unternehmer:innen für mehr Gemeinwohl-Orientierung zu gewinnen. Seit April ist jetzt Inklupreneur gestartet. Mit unserem Programm wollen das wiederholen, was mir in meiner Gründerphase eher zufällig passiert war: durch selbst gemachte Erfahrungen, soll Inklusion zum Bestandteil der Unternehmenskultur vieler Startups werden. Dafür muss man eigentlich nur eine Sache machen: anfangen! Und dieses Anfangen zu erleichtern, die Hürden zu senken, das machen wir bei Inklupreneur.


Inklusion bedeutet für mich, dass man nicht drüber nachdenken muss. Diesen Zustand herbeizuführen, liegt in der unternehmerischen Verantwortung jede:r Gründers:in. Diesen Zustand möchten wir nun in möglichst vielen Startups erreichen. Bis Ende 2024 sollen so über 100 inklusive Jobs entstehen – zuerst in Berlin, später gern auch bundesweit.

Nils Dreyer
nils[at]inklupreneur.de

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